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Bild von Gregorius Mättig mit Epitaph Dr. Mättigs im St. Petri-Dom Bautzen

Veranstaltungen

Termine 2011

September

Mättig-Stipendium 2011
Stipendiumsübergabe am 25.09.2011 Am 25. September 2011 übergaben Frau Budar, Präsidentin des Rotary-Clubs Bautzen und Dr. Uwe Koch im Rahmen des Festgottesdienstes im St-Petri-Dom zu Bautzen das diesjährige Mättig-Stipendium an die junge Prager Historikerin Jitka Wohlgemuthov zur Unterstützung ihrer Promotion über den Oberlausitzer Humanisten und Dichter Christoph Manlius und seine Beziehungen nach Böhmen.



















Unsterblicher Ruhm – Das Epitaph des Gregorius Mättig im Bautzener St. Petri-Dom
Wissenschaftliche Konferenz der Dr.-Gregorius-Mättig-Stiftung und des Archivverbunds Bautzen
am 23.September 2011, Schloßstraße 12, Veranstaltungsraum des Archivverbunds Bautzen

Start der Restaurierung 2010 Tagesordnung
  • 9.00 Eröffnung der Veranstaltung
  • 9.00 – 9.20 Begrüßungsworte Archivverbund – Stadtarchivarin Silke Kosbab Mättig-Stiftung und Gemeinde St. Petri – Pfarrer Burkart Pilz
  • 9.20 – 9.50 Das Mättig-Epitaph in den Archivquellen der Mättigschen Stiftungen – Dr. Uwe Koch (Potsdam)
  • 9.50 – 10.20 Das Mättig-Epitaph im Kontext der frühneuzeitlichen Ausstattung des St. Petri-Doms
    – Kai Wenzel M.A. (Görlitz)
  • 10.20 – 10.40 Kaffeepause
  • 10.40 – 11.10 Thesen zur künstlerischen Herkunft des Mättig-Epitaphs unter Berücksichtigung der zeitgenössischen Druckgraphik – Dr. Elisabeth Schwarm (Dresden)
  • 11.10 – 11.40 Der Zittauer Epitaphienschatz. Eine kurze Vorstellung der Bestände und des Möller'schen Epitaphs – Cornelius Stempel M.A. (Zittau)
  • 11.40 – 13.00 Mittagspause
  • 13.00 – 14.00 Bisherige Ergebnisse der restauratorischen Untersuchungen am Mättig-Epitaph und seine kunsttechnologischen Verbindungen zum ev. Südaltar des St. Petri-Doms – Dipl.-Rest. Ute Matauschek (Dresden)
  • 14.15 – 14.45 Die Ausstattung der Pfarrkirche zu Kleinbautzen und ihre Beziehungen zum
    Mättig-Epitaph – Pfarrer Andreas Sureck (Purschwitz)
  • 14.45 – 15.30 Zur Restaurierung der Ausstattung der Kleinbautzener Pfarrkirche und des Epitaphs der Martha Mättig in Kamenz – Dipl.-Rest. Jörg Freund (Doberschau)
  • 15.30 Abschlussdiskussion und Zusammenfassung
  • 16.00 Ende der Veranstaltung
Interessenten melden sich bitte unter uwe.koch@maettig-stiftung.de an!


Am 11. September 2011 fand auf dem Hof der Bautzener Stadtbibliothek in der Schloßstraße das 2. Fest „Mättig bittet zu Tisch“ statt. Der Freundeskreis und die Mättig-Stiftung präsentierte Informationen, Vorträge zu Mättig und seinem Wirken sowie Speisen und Getränke. Höhepunkt war die Aufführung historischer Spielszenen aus Mättigs Leben im Innenhof der Bibliothek.

Einige Impressionen der Veranstaltung
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Termine 2010

September

Gregorius Mättig bittet zu Tisch / Mättigsche Tafel - eine Nachbetrachtung
Die festlichen Klänge aus dem Dom St. Petri klingen in unseren Ohren und wahrscheinlich auch in den vielen Herzen nach, die Fragen nach dem Resümee der Veranstaltungen vom 26. September werden gestellt und der nüchterne Alltag kehrt zurück. Es ist nicht viel Zeit zum Verweilen und Besinnen. Aber es muss Zeit sein für einige Betrachtungen zu den vergangenen Tagen.

Vier Dinge möchte ich dabei herausheben.

Erstens – Die Mättig-Kantate
Das Erleben dieser einzigartigen Musik von Liana Bertok und der musikalischen Umsetzung durch Chöre, Orchester und Solisten wird nachdrücklich bei allen Teilnehmern des Gottesdienstes in Erinnerung bleiben. Den Taten Mättigs und den Worten Johann Samuel Petris ist in unwahrscheinlich liebevoller Weise neu Ausdruck verliehen worden. In der Kantate spürte jeder im Dom die Kraft und die Zuversicht, die uns Mättig mit auf den Weg gibt. Für dieses große Erlebnis gebührt Frau Bertok, den Solisten, den Chören und dem Orchester sehr großer Dank!

Zweitens – Mättigs Tisch
Der Dauerregen hat unser Konzept für das Fest "Gregorius Mättig bittet zu Tisch" auf eine harte Probe gestellt. Improvisation, Entschlusskraft, Einsatz und Engagement waren am Morgen des 26. Septembers gefragt, um die Veranstaltungen nicht absagen zu müssen.
Diese Probe wurde bestanden.
Dem Freundeskreis der Musikschule, den Bäckern, der Fleischerei Keller, den Leos und dem Brauhaus Bautzen sei dafür Dank, dass dies möglich wurde. Herzlich danke ich auch der Kirchengemeinde und Pfarrer Pilz, die angesichts der Regenmassen mit Toleranz und Entgegenkommen das christliche Haus auch für weltliche Dinge öffneten.

Drittens – Die historischen Spielszenen
Die Umsetzung der Texte von Dörte Brankatschk durch das Theaterteam um die Herren Dolata und Gruss bot ein besonderes Erlebnis und hat gezeigt, wie Geschichte und das Wirken historischer Persönlichkeiten auf glückliche Weise lebendig gemacht und vermittelt werden können.
Über den unmittelbaren Anlass hinaus ist ein Programm entstanden, dass gleichermaßen ein Stück europäischer und Stadtgeschichte wirkungsvoll und populär für Bautzener, wie für Touristen vermittelt. Ein Gewinn für die Region! Dem Team um Lutz Hillmann vielen Dank für dieses Geschenk!

Viertens – Das Miteinander und die Förderer
Der Einsatz vieler Hände und vieler Förderer hat den 26. September zu einem großen Erfolg werden lassen. Die sehr wohltuenden Worten des Ministerpräsidenten Tillich haben dieses gemeinschaftliche Tun gewürdigt und anerkannt. Dafür, für diese Anteilnahme und Schirmherrschaft herzlichen Dank!

Der Kommentar der Sächsischen Zeitung vom 27. September hat es treffend umrissen: "Besser lassen sich Tradition und zeitgemäßes Engagement kaum miteinander verbinden."
Die Anwesenheit des Botschafters der Tschechischen Republik hat die Bedeutung der historischen, kulturellen und aktuellen Brückenschläge zu unseren Nachbarn bekräftigt.

Unzählige Namen verdienen erwähnt zu werden von Miriam und Ulli Schönbach, Ralf Reimann, Stefan Richter bis Reinhard Pappai und Hagen Schulz. Nicht alle können hier erwähnt werden.
Allen, den Mitwirkenden, wie den finanziellen Förderern gilt jedoch mein herzlicher Dank !

Letztlich zählt am meisten das große Miteinander und das beglückende Gefühl, die Stadt und die Region etwas bereichert zu haben und auf dem richtigen Weg zu sein.

Machen wir also weiter in der Dr.-Gregorius-Mättig-Stiftung und in dem in Gründung befindlichen Freundeskreis der Stiftung.

Ich danke Ihnen sehr herzlich und würde mich freuen, wenn Sie auch zukünftig unsere Stiftung wohlwollend begleiten könnten!

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Uwe Koch

Weitere Informationen können Sie einem Artikel der „BAUTZENER ZEITUNG“ entnehmen, den Sie hier im PDF-Format herunterladen können.

Einige Impressionen der Veranstaltung
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Tag des offenen Denkmals 2010 in Bautzen
Am 12. September 2010 bot die Mättig-Stiftung Informationen und Führungen im Geburtshaus von Gregorius Mättig in der Wendischen Straße 1, am Mättig-Epitaph im Dom sowie im Haus Wendische Straße 9, dass dem Kurator der Mättigschen Stiftungen, Jeremias Behrnauer, ab 1700 gehörte. In enger Zusammenarbeit mit dem Bettenhaus Heber in der Wendischen Straße 9 sowie Frau Bönisch, der Inhaberin der Reprografischen Werkstätten im Haus Nr. 1 sowie der Restauratorin des Epitaphs, Frau Ute Matauscheck, konnten den Besuchern viele interessante historische Details geboten werden. Die zahlreichen Besucher nahmen es sehr gerne an.

Einige Impressionen der Veranstaltung
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Termine 2009

November

Gregorius Mättig bittet zu Tisch / Mättigsche Tafel
Im Zusammenwirken von interessierten Partnern mit der Mättig-Stiftung soll die Realisierbarkeit einer historischen Mättigschen Tafel (historische Speisen und Musik des 17. Jahrhunderts in den Hallen des Rathauses) geprüft werden. Ausgangspunkt hierfür bilden die sogenannte Mättigsche Tafel oder der Mättigsche Freitisch die für junge und begabte Schüler aus sozial schwache Familien seit 1650 bis ins 20. Jahrhundert über die Stiftungen Gregorius Mättigs ermöglicht wurden. Mättig griff damit eine Tradition wohlhabender Bürger Bautzens auf und schuf durch seine Stiftungen eine fast 300 Jahre währende Säule des bürgerschaftlichen Engagements. Diese Tradition besitzt einen großen Wert für unsere Gegenwart!

Daran anknüpfend soll es Ziel sein, ein attraktives auch tourismusförderndes öffentliches event zur Popularisierung Mättigs, seiner Ideen (Motto: Bildung und Kultur sind Gemeingut und Zukunft, sie gehen uns alle etwas an!) und Wirkung sowie des heutigen Anliegens der Förderung von jungen Menschen aus sozial schwachen Familien sowie weiterer Vorhaben der Bildungsförderung sein. Zentralen Raum könnte dabei das von Bautzener Bäckern kreierte Mättig-Brot einnehmen, das quasi symbolisch miteinander geteilt, verspeist und verteilt wird.
In einer besonderen Umgebung mit speziellem Ambiente soll in der Atmosphäre einer gemeinsamen historischen Tafel (Speisen und Getränke nach historischen Rezepturen des 17. Jh.) und in leicht bekömmlicher Weise auf die Bedeutung Gregorius Mättigs für die Identität der Stadt und die Aktualität seiner Stiftungen für die Bildungsförderung (Motto: Gemeinsam Essen und Trinken für einen guten Zweck) hingewiesen werden. Das Vortragen von kurzen prägnanten Äusserungen Mättigs bzw. Äusserungen von Mättigianern über Mättigs Stiftungen bzw. den „Freitisch“ sowie unterhaltsame Musik des 16./17. Jahrhunderts nach dem Vorbild der historischen Stadtpfeifer soll die Mättigsche Tafel untermalen. Denkbar wäre, dass Mättig durch einen Schauspieler dargestellt wird.
Als Spenden eingeworbene Geldbeträge sollen konkrete Bildungsprojekte (Schülerförderpatenschaften im Landkreis Bautzen) in der Region unmittelbar befördern helfen. Infoblätter sollen über diese Patenschaften und ihre aktuelle Bedeutung informieren. Gedacht ist daran, dass interessierte Teilnehmer sich Tickets zur Teilnahme an der Mättigschen Tafel erwerben, um so eine vorher die Berechenbarkeit für gesicherte Teilnehmerzahl zu erreichen. Das Vorhaben, das nur in Gemeinschaft umgesetzt werden kann, könnte die Identifikation der Bautzener mit wichtigen aktuellen Anliegen über authentische historische Traditionen befördern und bürgerschaftliches Engagement stimulieren. Bei einem Erfolg könnte diese Mättigsche Tafel ggf. alle zwei Jahre wiederholt werden.

Dieses Vorhaben wurde vom Stiftungsrat der Mättig-Stiftung ausdrücklich unterstützt.

In einem Gespräch am 9.11.2009 um 19.00 Uhr sollen die Inhalte und die Realisierbarkeit mit Freunden der Mättig-Stiftung,kulturell und sozial Interessierten, Vertretern von Wirtschaft und Verbänden im Holiday Inn erörtert werden.

Hierzu laden wir Sie herzlich ein und hoffen auf Ihre engagierte Unterstützung!


Termine 2009

September

Erstes Mättig Stipendium überreicht und Spendenaktion für das Mättig-Epitaph gestartet
Während des Festgottesdienstes am 27. September 2009 im Dom St. Petri ist das erste Mättig-Stipendium an die Nachwuchswissenschaftlerin Lubina Mahling aus Spitzkunnersdorf zur Publikation ihrer Magisterarbeit überreicht worden.
Außerdem konnte die Spendenaktion zur dringend erforderlichen Restaurierung des bedeutenden Mättig-Epitaphs aus dem 17. Jahrhundert gestartet werden.Die Kollekte des Gottesdienstes und der Verkauf der im Selbstverlag herausgegebenen Lebenserinnerungen der Kammervirtuosin Jutta Zoff bilden den Grundstock für die Finanzierung des großen Vorhabens.
Das fast 8 Meter hohe hölzerne Epitaph ist durch zahlreiche Schädigungen dringend restaurierungsbedürftig. Für die Restaurierung werden insgesamt 65 T Euro benötigt. Der Wunschzettel im Arsprototo Heft 3/2009 der Kulturstiftung der Länder und unsere Website informieren über das Vorhaben.

Einige Impressionen der Veranstaltung
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Zum 424. Geburtstag Mättigs konnte die Herausgabe der gemeinsamen Publikation des Stadtmuseums Bautzen und der Mättig-Stiftung zu Leben und Werk Mättigs sowie zur Geschichte seiner Stiftungen erfolgen. Der Band bietet neben einer Beschreibung der Biografie Mättigs, Lebensskizzen von Mättig-Stipendiaten und Mättigianern am Bautzener Gymnasium auch einen Rundgang durch Bautzen auf den Spuren Mättigs und seiner Familie bzw. Freunde. Die 176 Seiten umfassende, gut bebilderte Jahresschrift des Bautzener Museums 2007 ist für 5 Euro im Buchhandel und im Stadtmuseum Bautzen erhältlich.
Der Stiftungsrat hat auf seiner Sitzung am 26.September 2009 beschlossen, dass die durch die Spenden der an der Bautzener Mättig-Brot Aktion beteilgten Meister erreichten Gelder für Schülerförderpatenschaften verwendet werden sollen. Mit den Geldern sollen befristet auf zunächst zwei Jahre 1-2 Schüler aus sozial schwachen Familien der Region gezielt gefördert werden. Die Aktion der Bäcker soll fortgesetzt werden. Außerdem wurde die Auslobung des zweiten Mättig-Stipendiums beschlossen. Das Stipendium soll auf der Grundlage bis Ende Mai 2010 einzureichender Konzepte zur Arbeit von Nachwuchskünstler der Region mit Schülern von Grund-,Mittel- und Förderschulen vergeben werden. Ziel soll es sein, dass junge Künstler für die Bereiche Malerei und Grafik Vorhaben entwickeln die eine künstlerische Beschäftigung mit dem Leben Gregorius Mättigs und seinem Engagement für Bildung und Kultur ermöglichen. Das Stipendium, dass durch eine Spende der Sparkasse in Höhe von 1200 Euro an die Mättig-Stiftung ermöglicht wird, soll die Umsetzung des besten Konzeptes ermöglichen.Das Stipendium soll anlässlich der Feierlichkeiten anlässlich des 425. Geburtstages von Gregorius Mättig am 25. September 2010 überreicht werden.


Mai

Logo NapoleonverbundBautzen-Besuch von Prinz Napoleon war ein Erfolg
Auf Einladung des Bautzener Oberbürgermeisters und unserer Stiftung besuchte
Prinz Charles Napoleon Bautzen und die Region.
Die von der Mättig-Stiftung initiierten Gespräche über mögliche Kooperationen zwischen dem Verbund der Napoleon-Städte unserer Stiftung und Bautzen im Hinblick auf die historischen Jubiläen der Schlacht bei Bautzen von 1813 sowie der Teilung der Lausitzen durch den Wiener Kongress 1815 verliefen positiv.


Einige bildlichen Impressionen verdeutlichen den Verlauf des Besuchs und der Gespräche
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Der Europäische Bund der Napoleon-Städte ist ein Verein französischen Rechts (Gesetz 1901) und er vereint die europäischen Städte und Kommunen, deren Geschichte durch napoleonischen Einfluss geprägt wurde. Der Verbund entwickelt im Wesentlichen Aktivitäten rund um die drei folgenden Themen:
  • Initiierung eines länderübergreifenden Dialoges durch die Organisation von gemeinsamen Treffen und Tagungen sowie der Veröffentlichung gemeinsamer Publikationen in Zusammenarbeit mit Universitäten
  • kulturellen Institutionen und geschichtsbezogenen Vereinen
  • Förderung des Erhalts und der Restaurierung des kulturellen Erbes der napoleonischen Zeit, u. a. durch die Restaurierung und Sanierung von Baudenkmalen, Denkmälern, Objekten, Kunstwerken und historischen Orten
  • Aufwertung und Präsentation des napoleonischen Erbes in der breiten Öffentlichkeit durch Ausstellungen, Kunst- und Kulturveranstaltungen sowie durch themenbezogenen Bildungsreisen im Rahmen touristischer Konzepte und schulischer und universitärer Austauschprogramme
Der Europäische Bund der Napoleonstädte ist aus dem Wunsch verschiedener europäischer Städte entstanden, ihr gemeinsames historisches Erbe in einem europäischen Kontext darzustellen und den Dialog zwischen den Napoleonstädten zu fördern. Die differenzierte und intensive Auseinandersetzung mit der europäischen Geschichte und dem Erbe Napoleons ist ein wichtiger Beitrag für die gemeinsame Kultur des Europäischen Volkes.


Aus Anlass der in Bautzen durchaus kontrovers geführten Diskussion zum Umgang mit dem Erbe der napoleonischen Zeit wird beigefügter offener Brief veröffentlicht:

Sehr geehrte Leser, liebe Bautzener,

angesichts der momentan laufenden öffentlichen Diskussionen um das o.g. Thema halte ich es für notwendig, etwas zu deren Versachlichung und Differenzierung durch die Vermittlung einiger Tatsachen beizutragen. Auch will ich zu erklären versuchen, was die Mättig-Stiftung und Napoleon miteinander zu tun haben.


Da unsere Zeit zu Verkürzungen neigt muss ich leider etwas ausholen, um die Vorgeschichte meines Engagements verständlich machen zu können.

Die Schlacht bei Bautzen von 1813 war Teil der nach dem Russland-Feldzug Napoleons 1812 einsetzenden Befreiungskriege und diese wiederum sind Teil der ganz Europa nach der Französischen Revolution verändernden Napoleonischen Zeit. Diese Zeit hat für viele europäische Länder nicht nur Krieg und Verwüstungen gebracht, sondern auch einschneidende gesellschaftspolitische, ökonomische und kulturelle Entwicklungen initiiert, die sich bis in unsere Zeit auswirken. So auch für Sachsen und die Oberlausitz. Der Wiener Kongress von 1815 hatte schließlich die Teilung der Lausitzen zur Folge. Mit der Schlacht von 1813 fand in der Region ein Ereignis europäischer Geschichte statt.
Bereits im Dreißigjährigen Krieg war Bautzen 1634 und 1639 Schauplatz und Opfer kriegerischer Handlungen, die sich verheerend , weit verheerender als 1813, auf die Stadt und ihre Entwicklung auswirkten. Die kaiserlichen und schwedischen Feldherren, die damals Zerstörung und Tod über die Stadt und die Region brachten, waren Teil eines europäischen Krieges. So, wie diese Kämpfe, so erinnert auch die Schlacht bei Hochkirch 1758 im Siebenjährigen Krieg daran , dass Bautzen und die Region als ein Grenzraum rivalisierender europäischer Mächte und als Region, durch die sich eine der bedeutendsten europäischen Handels- und Heerstraßen, die via regia, zieht, immer wieder Schauplatz kriegerischer Konflikte war.

Diese Kriege sind die eine Seite der Medaille Geschichte, auf der anderen Seite stehen der kulturelle Reichtum und die Vielfalt der Oberlausitz, deren deutlichste Sprache bis heute die Sechsstädte, insbesondere die städtebauliche Schönheit von Bautzen, Görlitz und Zittau sprechen. Teil dieses Reichtums sind auch die städtischen Sammlungen, die auf dem Wohlstand und der Kunstfertigkeit der Bewohner der Region aufbauen. Beide Seiten sind nicht voneinander zu trennen, wenn man sich umfassend mit Geschichte befassen will und verantwortungsvoll deren faszinierende Inhalte den nachwachsenden Generationen und den Gästen einer Region vermitteln will. Diese Ereignisse weisen aber auch noch auf eine Besonderheit der Oberlausitz, sie ist europäisch geprägt. Deshalb hat diese Region Persönlichkeiten, wie Caspar Peucer und Gregorius Mättig, Christian Weise und Gotthold Ephraim Lessing, den Grafen Zinzendorf und Jakob Böhme hervor gebracht. Deshalb waren hier humanistische Gelehrte, wie Philipp Melanchthon, aber auch Monarchen zu Gast und deshalb kamen in deren Gefolge auch stets Kriegsherren mit ihrem ganzen teuflischen Repertoire.

Das Bautzener Museum besitzt als Ergebnis sachkundigen Sammelns, Bewahrens, Forschens und Vermittelns eine der bedeutendsten Sammlungen der Oberlausitz, die all diese historischen Entwicklungen widerspiegeln.

So wie das Archiv und die Bibliothek der Stadt ebenfalls Orte der Geschichte und Kultur der Region sind, bedürfen diese stets der öffentlichen Aufmerksamkeit und Pflege, was in Bautzen seit 1990 äußerst engagiert betrieben wird. Dennoch tut bei der Fülle der Schätze und der zu finanzierenden Aufgaben stets private Unterstützung gut. Dies ist eines der Anliegen der 2007 wieder gegründeten Dr.-Gregorius-Mättig-Stiftung. Mit dem restaurierten Mättig-Porträt von 1626 und der bald erscheinenden Publikation über Mättig und seine Stiftungen ist ein erster Beitrag geleistet.

Ein weiterer Beitrag soll durch den bevorstehenden Besuch des Prinzen Napoleon geleistet werden. Sie fragen sich angesichts von Zeitungsberichten vielleicht wie das erreicht werden soll. Ich will Ihnen unsere Motivation konkretisieren. Im Frühsommer 2008 haben der Bautzener Oberbürgermeister, Christian Schramm, und ich in meiner Eigenschaft als Vorsitzender des Stiftungsrates der Dr.-Gregorius-Mättig-Stiftung Prinz Charles Napoleon, Vorsitzender der Vereinigung der Napoleon-Städte, zu einem Besuch nach Bautzen eingeladen. Dieser Einladung ging Ende Mai 2008 ein Gespräch zwischen Prinz Napoleon und Herrn Lissack in Paris voraus, um Möglichkeiten der Zusammenarbeit der Mättig-Stiftung mit der Vereinigung der Napoleon-Städte zu erörtern. Die Vereinigung der Napoleon-Städte verfolgt drei wesentliche Ziele: 1. den europäischen Dialog über das historische Erbe, 2. die Förderung der Erhaltung und Bewahrung des kulturellen Erbes der Napoleonischen Zeit und 3. die Vermittlung der historischen Tatsachen der Napoleonischen Zeit durch Ausstellungen und Veranstaltungen sowie die Förderung des Kulturtourismus.
Mitglied in der Vereinigung sind Städte in Frankreich, Belgien, Italien, Polen und Deutschland.

Es erschien uns sehr interessant, Prinz Napoleon nach Bautzen einzuladen, um ihm Bautzen und die Region bekannt zu machen und mit ihm über die Möglichkeiten der Zusammenarbeit im Hinblick auf die 200. Wiederkehr der Schlacht bei Bautzen 2013 zu sprechen.

Der Zeitpunkt der Wiedereröffnung des Bautzener Museums am 8. Mai schien dafür sehr geeignet. Das Bautzener Museum ist eine Schatzkammer der Region und der richtige Ort für Gespräche über Geschichte zumal über bedeutende Ereignisse europäischer Geschichte, wie die Napoleonische Zeit. Dies um so mehr, als das Bautzener Museum über 200 Napoleonica in seinen Sammlungen besitzt und in der neuen Dauerausstellung ein Exponat präsentiert, das über einen großen Seltenheitswert verfügt. Es handelt sich um die Uniform eines napoleonischen Trompeters von 1813, der desertierte und seine Uniform unter der Dielung eines Bautzener Bürgerhauses verbarg.

Dieser Einladung wird Prinz Napoleon folgen und an der feierlichen Museumseröffnung teilnehmen. Daneben wird er Gespräche mit dem Oberbürgermeister und weiteren Persönlichkeiten führen. Darunter auch über Chancen, Verpflichtungen und Perspektiven einer möglichen Mitarbeit Bautzens der Vereinigung der Napoleon-Städte. Denkbar erscheinen eine große europäische Ausstellung 2013 mit Bautzen als Kooperationspartner und kulturtouristische Vorhaben. Das Ergebnis der Gespräche bleibt abzuwarten. Soweit zur Rolle der Mättig-Stiftung in diesem Zusammenhang!

In einem Teil der öffentlichen Reaktionen auf Medienberichte standen bisher jedoch Schlagworte, wie Napoleon-Verherrlichung, Einseitigkeit miltärgeschichtlicher Inszenierungen oder überflüssige touristische Spektakel.

Anlass dieser Berichte sind einerseits die Meldungen über den bevorstehenden Besuch des Prinzen Napoleon sowie die davon unabhängige Initiative des Vereins Napoleonzeit 1813 in Erinnerung an Napoleons Aufenthalte in Bautzen die Aufmalung eines Napoleon-Bildes auf dem Giebel des Hauses Reichenstraße 5 vorzunehmen. Aus dem Fenster soll er am Morgen des 21. Mai 1813 geschaut haben. Authentisch ist auf jeden Fall ein ovales Fenster an der Giebelseite. Der Verein Napoleonstraße 1813 ist seit 2001 tätig, er erkundet die Geschichte von Erinnerungsorten der Schlacht, informiert und erschließt diese Orte kulturtouristisch und organisiert historisierende Biwaks.

Diese Vereine leisten auf ihre Art einen Beitrag und finden dafür viele Interessenten. Man erinnere sich nur an den Massenandrang im Herbst 2006 in Jena. Sie eröffnen manchem einen Zugang zur Geschichte, der Ausstellungen im Museum selten oder gar nicht besucht.

Die Bedeutung militärhistorischer Inszenierungen mag dennoch umstritten sein. Ich bin der Ansicht, dass diese Aktivitäten Akzeptanz und Anerkennung verdienen, wenn sie sich nachweislich an historischen Tatsachen orientieren und den Krieg nicht undifferenziert vermitteln oder verherrlichen.

Ein verantwortungsvoller Umgang mit Geschichte ruft gerade zu nach einer umfassenden historischen Bewertung, attraktiver Museumsarbeit, modernen Vermittlungsmethoden und insbesondere einem europäischen Dialog denn es handelt sich um europäische Geschichte, die uns allen heute Anstrengungen, Chancen und Verantwortung abverlangen.

Ein Wort zum Schluss!
Die jetzt laufende öffentliche Diskussion ist wertvoll, wenn sie den Umgang mit dem kulturellen Erbe, eines der wichtigsten Potenziale der Region, in Bautzen befördert. Dieses Erbe ist auch die Grundlage für eine Teilhabe am nicht geringschätzig zu beachtenden Geschichts- und Kulturtourismus in Europa ist. Bautzen sollte davon profitieren!

Die laufende Diskussion sollte mit der gebotenen Gelassenheit geführt werden und den beteiligten Initiativen sollten keine unseriösen Absichten unterstellt werden.

Türen sind schneller zugeschlagen, als geöffnet!

In Verbundenheit
Uwe Koch“



Termine 2008

September
Anlässlichdes Festgottesdienstes zum 423. Geburtstag Dr. Gregorius Mättigs fand am 28. September 2008 im St. Petri-Dom zu Bautzen ein Festgottesdienst statt. Die Predigt aus diesem Anlass hielt Pfarrer Burkhardt Pilz, deren Wortlaut Sie hier lesen können.

"Liebe Festgemeinde, liebe Gäste,
liebe Schwestern und Brüder in Christus,

Als ich 16 war – gerade mit der Ausbildung beginnend, alles lag vor mir – ich wollte alles sein, nur nicht wie mein Vater. So ein Leben war mir zu klein, zu miefig, zu begrenzt. Ich war mir selbst Vorbild und Wegweisung genug.
Als ich 25 wurde – hatte ich schon einiges geschafft – und ich wollte vieles noch werden – nur nicht wie mein Vater.

Fürbittgebete während des Festgottesdienstes am 28. September 2008 im Bautzener St.Petri-Dom

Heute sprechen mich Leute an, die meinen Vater gut kennen, mittlerweile genauso betagt und ein wenig wankend in den Knien. Sie sprechen mich an und sagen: "Mensch wenn du zur Tür reinkommst – sehe ich Deinen Vater".

Heute freue ich mich darüber. Und ich bin selbst Vater und erahne die Zeit wo meine Töchter alles sein wollen – nur nicht wie der Vater.

Ein erwachsenes Leben, im Leben und im Glauben reifen, groß werden, heisst zu lernen, zu entdecken: meine Geschichte beginnt nicht bei mir. Ich bin immer eingebettet in den Chor Vieler. Ich bin bestimmt von den Gedanken und Erfahrungen des Vaters, der Mutter, aber auch bestimmt von meinen Lehrer, meinen Professoren, von Freunden. Auch von Lehrern der Kirche, von den Erzählungen der Großmutter, von den Liedern der Kirche.

Der Hebräerbrief formuliert:
Gedenkt eurer Lehrer, die euch das Wort Gottes gesagt haben; ihr Ende schaut an, und folgt ihrem Gauben nach.

Als Kinder sind wir manchmal in die übergrossen Pantoffeln der Großeltern geschlüpft. Wir sind darin versunken. Wir spielten – wir wären der Großvater. Was tun wir, wenn wir das Glaubensbekenntnis sprechen? Wir schlüpfen in die Sprache und in die Bilder derer die vor uns waren. Die Schuhe sind oft zu gross. Aber ich berge mich, wenn ich das Glaubensbekenntnis spreche in eine Sprache, die die Toten vorgewärmt haben. Wir dichten weiter – hoffentlich. Aber wir finden vor allem Sprache vor.

Was tun wir, wenn wir an Mättig als grossen Helfer in dieser Stadt, als tief gläubigen lutherischen Christen erinnern? Wir orientieren uns. Wir schlüpfen in seine Schuhe und versuchen weiter zu laufen. Das Mättigepitaph ist kein Museumsstück – es ist lebendiges Gedächtnis: wir finden etwas vor. Diese Stimme Mättigs schwingt immer mit, bei jedem Gottesdienst.

Keiner lebt einfach für sich. Wir orientieren uns an anderen Entwürfen vom Leben. Reifes, bewusstes Leben braucht immer Gedächtnis und Erinnerung. Leben heisst ja immer: wir spielen nach, wir imitieren. Das muss man lernen. Und man muss dieses Gedächtnis nähren. Sonst verdörren und verarmen wir.

Keiner lebt für sich allein – wir sind einander ähnlicher als wir es ahnen. Keiner beginnt seine Geschichte einfach bei sich. Wir sind mehr als das eigene ICH. Und den Vätern und Müttern ähnlicher als oft bewusst.

Keiner lebt für sich allein – das heisst auch, wir leben mit den Lebenden und mit den Toten.

Denn vertieftes, reifes Leben braucht natürlich mehr als nur die eigene Auseinandersetzung mit der eigenen Familie.

Manchmal spielen wir uns gegenüber den Erfahrungen der Väter und Mütter, gegenüber den Traditionen ja mächtig auf. Dann sagen wir: die Traditionen sind nicht unsere Herren. So aufgeklärt sind wir.
Aber wir dürfen auch nicht die ständigen Oberstaatsanwälte der Geschichten und Erfahrungen der Väter und Mütter sein. Auch im großen Gespräch über Generationen hinweg ist eben das Gespräch die einzige Form der Wahrheitsfindung – nicht das Diktat. Es hat keiner zu diktieren. Weder die Tradition uns, noch wir die Tradition. Das Diktat verdirbt das Gespräch.

Aber für dieses Gespräch braucht es Räume, Plätze und Orte. Orte wie diesen Dom. Es ist nicht einfach ein Glücksfall, dass das Mättigepitaph hier im Dom hängt. Es ist nicht einfach nur Wandschmuck und Zierde des Südschiffes. Dieser Ort predigt. Die Steine, die Zeichen, das Epitaph.

Dieses Epitaph hängt, weil es einladen will zur lebendigen Erinnerung – zum gemeinsamen Gedächtnis, zum Gespräch.

Wenn wir hier Gottesdienst feiern, dann nicht einfach in der eigenen Augenblicklichkeit. Der Glaube, die Hoffnung, das Tun derer die vor uns hier waren ist spürbar. Orte sind nicht einfach alle gleich. Hier an diesem Ort ist sichtbar und kenntlich: Gregorius Mättig der Wohltäter, als Vorbild des Helfens.

Wir brauchen diese Gespräch mit Menschen wie Mättig. Man lernt wer man ist, wenn man weiss, woher man kommt. Und Zukunft kann nur der haben, der eine Herkunft hat. Das gilt für jeden allein – und für uns als Kirche und es gilt für unsere Stadt.

Nirgends sind die lebensrettenden Geschichten, die Erinnerung, das Gedächtnis so lebendig, wie in der Kirche. Christliche Kirche ist eine Erzählgemeinschaft von Herkunftsgeschichten. Christen sind eingebettet in einen Geschichtenstrom von der Rettung des Lebens.

Wir sind nicht nur unseren leiblichen Vätern ähnlich –
  • wir sind Martin Luther,
  • wir glauben mit Albert Schweitzer und singen diesselben Lieder,
  • wir glauben mit Elisabeth von Thüringen,
  • wir träumen mit Martin Luther King,
  • wir hoffen mit Paul Gerhard,
  • wir lassen uns anfragen in dem was wir für wahr halten von Hildegard von Bingen,
  • wir fassen Mut mit Martin Niemöller,
  • wir beten mit Dietrich Bonhoeffer,
  • wir glauben mit Lukas und Johannes,
  • wir ehren die Schöpfung wie Franziskus,
  • wir denken mit Augustinus und beten mit dem Psalmisten,
  • und wir Bautzner Christen helfen wie Gregorius Mättig
Keiner der glaubt ist allein. Keiner lebt einfach für sich.

Est recht nicht die Kirche, auch nicht St. Petri.
Wir sind als Gemeinde nicht nur die Lebenden, wir sind als Gemeinde nicht nur unsere heutigen Ideen und Pläne. Unsere Gemeinde St. Petri lebt nicht nur im Heute –wir erinnern uns an die Väter und Mütter des Glaubens und sind ihnen ähnlich, leben und glauben wie sie. Wir haben Heimat auch als Gemeinde im Gedächtnis der Toten.

Die Bibel verwendet dafür ein schönes Bild:
Wir sind umgeben von einer „Wolke von Zeugen“ formuliert der Hebräerbrief.
Auch wenn wir als Christen hier im Osten Deutschlands vielleicht manchmal das Gefühl haben – wir sind umgeben vom Nebel der religiösen Indifferenz, von Desinteresse, oft Kirchenfeindlichkeit und billigsten Klischees.
Nein – wir sind umgeben von einer Wolke von Zeugen. Diese Zeugnisse sind da – von Toten und von Lebenden.

Christlicher Glaube ist nie eine einsame Sache. Er gehört in die Gemeinschaft. Nicht nur hier im grossen Dom – sondern auch die Käfergruppe in unserem evangelischen KinderGarten und die Vogelgruppe auch.

Es ist übrigens bemerkenswert, dass normatives Wissen und Erinnerung nur in Gruppen lebendig bleibt. Man erinnert sich langfristig nur an das, was für meine Gruppe von Bedeutung ist. Gedächtnis – Erinnerung – das Erzählen von Geschichten d ie mir helfen, kann ich nicht mit mir allein.

Gregorius Mättig ist seit 358 Jahren tot.
Es ist alles lange her. Ich denke an den alten humanen Brauch, wenn man Tote heimgeholt hat in die Heimat, wenn sie in der Fremde verstorben sind. Tote heimholen – und sie nicht in fremder, kalter Erde verscharrt zu lassen. Ich meine das gilt nicht nur im wörtlichen Sinne. Sich der Toten erinnern, dem Vergessen entreissen, heisst sie heimholen. Vergisst man die Toten, ist das wie ein Planieren unserer Lebenslandschaft. Leben wird unwirtlich, gedächtnislos, verloren, überfordert am eigenen ICH.

Zuletzt:
Wenn dieses Mättigepitaph mehr ist als ein Ausstattungsstück des Domes – welche Geschichte erzählt es uns? Epitaph ist ein Grabdenkmal. Also denk mal so wie der der da begraben ist! Was ist also die Stimme Mättigs, im Chor unserer Kirche?

Auf diese Stimme zu lauschen führt uns in die Mitte dessen, was unsere Kirche als tätige, helfende Kirche ausmacht. Zunächst erinnert diese Stimme des Epitaphs: Glaube und Tun sind Schwestern. Das Tun ist der Text und der Glaube der Melodie. Ein Lied wird es nur mit beidem. Oder anders:
Glaube ohne Ethik wird überheblich. Ethik ohne Glaube wird ideologisch und allzuoft vernütztlicht.

Die Stimme Mättigs erzählt und erinnert: an den dreieinigen Gott glauben, da geht es nicht um eine Theorie. Es ist keine Ansicht – sondern eine Haltung.

Denn Gott selbst hat keine Ansicht – sondern er handelt. Gott rettet, wirbt, liebt, er führt heraus, er richtet auf. Wir glauben an einen gütigen und barmherzigen Gott. Arm und Herz. An diesen Gott glauben führt zu Verben – nicht zu Definitionen.

Jeder der im Südschiff sitzt und zu Mättig hinüberschaut wird erinnert:
Gutes zu tun und mit anderen zu teilen, vergesst nicht, denn solche Opfer gefallen Gott. / Hebräer 13
Denn vergessen kann man es – das Gute zu tun. Es ist eine Art Krankheit, wenn der Mut zum Guten abhanden kommt. Wenn ich mir denke ich kann nichts ausrichten und es alles keinen Wert hat. Wenn ich vergesse von mir abzuschauen und nur auf mich blicke – Verkrümmungen sind ein Symptom dieser Krankheit.

Vergessen kann ich es – so wie ich mich selbst vergessen kann, verlieren. Hebräer 13
Gutes zu tun und mit anderen zu teilen, vergesst nicht

107 Patenkinder hat Mättig unterstützt.
– Gutes zu tun und mit anderen zu teilen, vergesst nicht –

Er hat über 10 Stiftungen verfügt – eine für freie Schulspeisung im städtischen Gymnasium für die Chormitglieder des St. Petri Domes
– Gutes zu tun und mit anderen zu teilen, vergesst nicht –

Tuchverteilung für mittellose Schüler
– Gutes zu tun und mit anderen zu teilen, vergesst nicht –

Geld für die Kerzen des Domes und zur Unterhaltung des Predigtstuhles am Dom
– Gutes zu tun und mit anderen zu teilen, vergesst nicht –

Mittellosen Bautzner Familien wurde geholfen
– Gutes zu tun und mit anderen zu teilen, vergesst nicht –

Nahrung im Hospital Strehlenhaus in Bautzen wurde verteilt
– Gutes zu tun und mit anderen zu teilen, vergesst nicht –

Bleibt fest in der brüderlichen Liebe.
Gastfrei zu sein, vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt. Denkt an die Gefangenen, als wärt ihr Mitgefangene, und an die Misshandelten,

Seid nicht geldgierig und lasst euch genügen an dem, was da ist. Denn der Herr hat gesagt (Josua 1,5): „Ich will dich nicht verlassen und nicht von dir weichen.“

So können auch wir getrost sagen: „Der Herr ist mein Helfer, ich will mich nicht fürchten; was kann mir ein Mensch tun?“ (Psalm 118,6).(7) Und Gedenkt eurer Lehrer, die euch das Wort Gottes gesagt haben; ihr Ende schaut an, und folgt ihrem Gauben nach.

Und der Friede Gottes welcher größer ist als unser Verstehen bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus unserem Herrn. AMEN"

Am 26. September fand in Bautzen eine Informationsveranstaltung zum Thema: „Stiftungen und Stiften – Wege und Möglichkeiten zum Bürgerengagement“ statt. Der Stiftungsrat der Mättig-Stiftung und ein Referent des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen aus Berlin standen zu aktuellen Fragen Rede und Antwort.

Mai
Am 16. Mai 2008 besuchte der Botschafter der Tschechischen Republik in Deutschland, Herr Dr. Rudolf Jindrak, auf Einladung unserer Stiftung Bautzen. Im Rahmen seines Aufenthaltes nahm der Botschafter dabei im Melanchthon-Gymnasium an einem Gespräch mit Jugendlichen und Persönlichkeiten aus Stadt und Region zu den Chancen der grenzübergreifenden Kooperation zwischen Tschechien und der Oberlausitz im geeinten Europa teil.

Einige Bilder vom Besuch des Botschafters der Tschechischen Republik
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April
Die Mättig-Stiftung veranstaltete 2008 gemeinsam mit dem Philipp-Melanchthon-Gymnasium und dem Förderverein für dieses Gymnasium eine Veranstaltungsreihe unter dem Motto „Werte, Wege, Welt – Jugend in Europa“.

Am 25.April 2008 hielt das Mitglied unseres Stiftungsrates, Herr Dr. Lorenz Granrath, Repräsentant der Fraunhofer-Gesellschaft in Tokio, einen Vortrag zum Thema „Japan und Asien – Chancen und Herausforderungen für die europäische Jugend“ in der Aula des Melanchthon-Gymnasiums in Bautzen.

Termine 2007

Am 25. September 2007 wurde in Bautzen die Dr.-Gregorius-Mättig-Stiftung feierlich wieder gegründet.
Im Rahmen der Feierstunde in den Räumen der Kreissparkasse Bautzen wurden die Stiftungsdokumente durch die Stifter und die Vertreter der Kreissparkasse gezeichnet. Rupert Graf Strachwitz, Direktor des Maecenata-Institutes Berlin hielt einen Vortrag zum Thema „Alte Stiftungen blühen – Zur Geschichte des Stiftungswesens in Deutschland“.
Anschließend fand unter Teilnahme von rund 500 Bautzenern und Gästen der Stadt ein bewegender Festgottesdienst statt. Höhepunkte des Gottesdienstes waren das Harfenkonzert von Kammervirtuosin Jutta Zoff,
die Fürbitten der Nachkommen Gregorius Mättigs aus Deutschland, Brasilien, Belgien und Kanada sowie der Festvortrag von Dr. Uwe Koch.

Ein Empfang der Stadt Bautzen im Oberlichtsaal, der mit einem schwungvollen Kalviersolo von Frau Liana Bertok eröffnet wurde, beschloss den besonderen Tag. Der Bautzener Oberbürgermeister, Christian Schramm und Herrmann Graf Pückler aus München würdigten die Wiederbelebung der Mättig-Stiftung. Eine Kabinettausstellung zur Geschichte der Stiftungen Gregorius Mättig wurde im Stadt- und Regionalmuseum Bautzen eröffnet.

Einige Bilder der Veranstaltung
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Fürbitten der Nachkommen Gregorius Mättigs

Für diejenigen die keine Familie oder Verwandte haben, für diejenigen die alleine sind oder sich alleine fühlen, dass Sie Trost und Kraft in Gottes Wort finden. Herr, wir rufen zu Dir … - Peter Lissack / Antwerpen

Für alle die, die nicht wissen wer sie sind oder woher sie kommen bitten wir Gott und unsere Mitmenschen ihnen die Kraft zu geben, ihren Weg zu finden und sie zu begleiten. Herr, wir rufen zu Dir … - Robert und Tobias Koch / Potsdam

What a privileg for us to be back in Bautzen, meeting again our dear friends and family members. Dear congregation, in order to keep alive Dr. Mättigs high life ideals of humanitarian, tolerance and christian values, building a wonderful bridge to the future of Bautzen and it's young generation, the Dr.-Gregorius-Mättig- Stiftung needs your support. May the spirit of this festive and joyful day be a life goal, in the same way that it is to our family in Brazil. Herr, gemeinsam rufen wir zu Dir … - Dr. Rainier Herbert de Souza / Sao Paulo


Festvortrag von Dr. Uwe Koch

Sehr geehrte Teilnehmer, liebe Festgemeinde!
Eine große Gemeinde hat sich heute hier im St. Petri Dom versammelt.
Geladen haben der Herr Superintendent, die Sparkassenstiftung für den Landkreis und Mitglieder der Familie Lissack aus Nah und Fern, zusammen gekommen aus Kanada, Brasilien, Belgien und aus den verschiedensten Regionen Deutschlands. Eine Gemeinde ist hier heute beisammen, die so noch nie beisammen war. Der Oberbürgermeister, viele Stadtverordnete und Kreistagsabgeordnete, Vertreter aus Politik, Kultur, Wirtschaft, Bildung und Kirche aus der Oberlausitz, aus Dresden sind unter uns.
Zu unserer Gemeinde gehören Graf Pückler und Graf Strachwitz aus München bzw. Berlin. Unter uns sind Schüler und Studenten, Junge und Alte.

Was ist eigentlich der Grund, dass wir uns alle hier versammelt haben?
Was hat so viele Menschen bewogen hierher zu kommen an einem Tag mitten in der Arbeitswoche?
Was hat uns Nachkommen bewogen von so weit her aus der halben Welt hier nach Bautzen zu kommen?
Warum haben wir uns alle auf den Weg in den Dom nach Bautzen begeben?
Diese Fragen habe ich mir gestellt, als ich diese Zeilen für meinen Festvortrag verfasst habe und dabei an die Zweifler, Ignoranten und Besserwisser gedacht, die abseits stehen.

Sicher richtig ist die Aussage: Wir gedenken einer Person.
Heute vor 422 Jahren am 25. September 1585 wurde in Bautzen auf der Wendischen Straße Gregorius Mättig geboren. Dieser hat sich in seinem 65 Jahre währenden Leben um Bautzen verdient gemacht. Zu seinem 200. Geburtstag 1785 fand im Rathaus der Stadt ein Festakt statt und in der damaligen Presse dem „Monatlichen Beytrag zu den Budissinischen Wöchentlichen Nachrichten“ stand geschrieben:
„Seines gleichen giebt es wenige, und wenn es noch einige giebt, so ragt er unter ihnen hervor … . Er verdient ein immer währendes Andenken und die jährliche öffentliche Erneuerung desselben.“
Eine schöne Würdigung, große Worte. Nun das war damals 1785, obwohl klassische Klarheit bereits modischer Trend wurde, noch die Zeit barocken Zierrats. Also ist den Worten nicht zu trauen, sollten wir diesen Bewertungen noch folgen können? Sind wir gar hier beieinander und überspannen den Bogen, wenn wir eines Geburtstages vor 422 Jahren gedenken?

Mancher der heute nicht gekommen ist mag das denken, vielen fehlt es gar an einem Zugang zu Geschichte und dann erst recht zur Kirche. Wir leben doch im 21. Jahrhundert und heute stellen sich so viele wichtige Fragen
  • des menschlichen Daseins, Klimawandel und Energiekrise, ferne und nahe gewaltsame Konflikte
  • Arbeitslosigkeit, Jugendkriminalität, Fremdenfeindlichkeit, Abwanderung und Wertekrise.
Das sind nur einige Begriffe aus dem Reservoir unserer Gegenwartsprobleme. Und da kommen wir mit einem 422.Geburtstag eines Mannes daher, der in einer so fernen Welt lebte, die uns heute doch nun gar nichts mehr zu sagen hat. Er steht im Geschichtsbuch – gut – er hatte Verdienste, er hat ein Epitaph – gut und schön – er hat Nachkommen, die sich an den genealogischen Abstammungslinien erfreuen und die sich im Bewusstsein ihrer Verwandtschaft wohl fühlen – auch schön und gut.

Aber weshalb brauchen wir dann einen Festgottesdienst?
Und dann vor allem immer diese Orientierung auf Historisches, wir schleppen doch eh zu viel alten Ballast mit uns rum, das steht doch dem Fortschritt nur im Weg. Sind das nicht Fragen oder Meinungen, denen wir begegnen und die uns erreichen? Fragen, die durchaus legitim sind. Ich werde versuchen, darauf mit nachfolgenden Gedanken und Thesen zu antworten:
  1. Gregorius Mättig hat uns viel zu sagen!
  2. Wir brauchen Erinnerung, Orientierung und Vorbilder!
  3. Unsere Identität schafft Kraft, unendlich viel Kraft für die Zukunft!
1. Gregorius Mättig hat uns viel zu sagen!
Als Gregorius Mättig geboren wurde galten noch die Worte des großen Humanisten und Gelehrten Philipp Melanchthons, der eingedenk seines Besuches in Bautzen zusammen mit seinem Schwiegersohn Caspar Peucer Bautzen 1559 einen „Schirm, Schutz und Sitz guter Sitten und aller Ehrbarkeit genannt hatte einen Ort, da einer den andern laden konnte unter seinen Feigenbaum und Weinstock.“ 1634 hatte der verheerende 30 jährige Krieg Bautzen vernichtet. Die Zeilen Johann Zeidlers künden von dem Elend wenn er schreibt:

„Wer diese liebe Stadt zuvor gesehen und sollte sie jetzt sehen, der würde nichts mehr denn Dampf, Rauch, Staub und Asche sehen, wie die Stadt Sodom nach ihrem Brande…“ Der Eindruck dieses Erlebnisses und seiner Folgen war es, der Mättig bewog, da er selbst keine Kinder haben sollte, Stiftungen zu begründen, die helfen sollten, wo Hilfe nötig war:
  • beim Zugang zur höheren Schulbildung und Studium
  • bei der Pflege kultureller und christlicher Werte.
Die Stadtbibliothek, Sammlungen des Museums und des Archivs gehen auf Mättig zurück. Die Sammlungen von Mineralien, Geräten und Münzen können bisher nicht mehr zweifelsfrei identifiziert bzw. ihr verbleib geklärt werden. Für den Dom stiftete Mättig eine neue Kanzel, die bis heute erhaltenen prächtigen Messingkronen und schließlich prägt sein Epitaph bis heute den Kirchenraum mit.
Die Hauptleistung Mättigs war wohl, durch die Finanzierung von Freistellen für insgesamt mehr als 1000 junge Menschen aus ärmeren Bevölkerungskreisen den Zugang zu höherer Bildung und einen Zuschuss zu einer Lehre zu ermöglichen. Darunter waren übrigens keineswegs nur Nachkommen der Familien Mättig, Rosenhain oder Peucker und auch keineswegs nur Bautzener Stadtkinder. Die Schülerlisten der Mättigianer führen Schüler aus der gesamten Oberlausitz und benachbarter Regionen auf. Mättigs Tun beweist uns Nächstenliebe und Weitsicht, Tugenden der Vergangenheit? Nein, Tugenden, die heute genauso von Nöten sind wie im 17. Jahrhundert!
Gregorius Mättig war Bautzener Stadtkind, seine Eltern und Verwandten waren Mitglieder der angesehenen und einflussreichen Familien Mättig und Peucker. Mättig studierte in Leipzig, Straßburg und Basel. Seine Bibliothek umfasste das humanistische Wissen des alten Europas.
Die Stiftungen Mättigs ermöglichten jungen Menschen Studien an bedeutenden Universitäten, die Teilhabe an Kunst, Kultur und Wissenschaftsentwicklung in Europa. Mättigianer haben im Wissen um die Größe und Bedeutung der Stiftungen ihre Zeit am Gymnasium in Bautzen in Ehren gehalten und den Ruf Bautzens als Stadt von Bildung und Kultur in die Ferne getragen oder in Bautzen gemehrt.

Die Lebensläufe unzähliger Pfarrer, Juristen, Künstler oder Wissenschaftler künden davon; es sollen hier nur 2 von ihnen genannt werden: der Dichter der Aufklärung Jacob Immanuel Pyra und der Bautzner Pfarrer Andreas Lubensky.
Beide kamen aus mittellosem Elternhaus, der erste aus Cottbus, der zweite aus sorbischem Elternhaus in Rachlau bei Bautzen. Der Zugang zu höherer Bildung war über Mättigs Schulstiftung möglich, welcher Weg hätte sich ihnen ermöglicht, wenn diese Förderung des Gymnasiumsbesuchs nicht möglich gewesen wäre?. Die Schreiben der Schüler oder Studenten in den Archivalien der Mättig-Stiftung künden von der großen Dankbarkeit die daher auch empfunden wurde.

Der über Mättigs Stiftungen geförderte evangelische Kirchenchor oder auch Inquilinerchor der in der Schulbastei einwohnenden Schüler des Gymnasiums, ermöglichte Bautzen über lange Zeit eine Musikpflege die im 19. Jahrhundert von Rektor Rost sogar mit dem Stellenwert eines Thomanerchors oder eines Kreuzchors verglichen wurde. Schließlich schufen Mättigs Stiftungen eine wichtige Starthilfe für junge Männern aus seiner Nachkommenschaft, die ein Handwerk erlernen wollten oder jungen Frauen, die sich verheiraten wollten. Davon profitierten im 19. Jahrhundert auch Mitglieder der Familie Lissack. das im Stadtmuseum erhaltene Foto von der Goldenen Hochzeit August Gottlob Lissacks von 1898 zeigt die Familie vor dem Lissack-Haus. Auf dem Foto sind allein drei Personen zu sehen, die selbst von den Stiftungsmitteln profitierten.

Bis ins 20. Jahrhundert waren Mättigs Stiftungen für das Gemeinwesen der Stadt Bautzen erlebbar. Kriege, Inflation, Staatsgläubig- und -hörigkeit sowie eine bürgerlichem Engagement feindlich gesinnte politische Ordnung entzogen den Stiftungen den Boden. Der faktische Existenzverlust der bürgerlichen Stiftungen Bautzen wurde 1949 durch die Schaffung einer „Sammelstiftung“ vollzogen. Ein Kulturverlust, der Bautzen ein Stück seiner bürgerlichen Identität nahm. Heute haben Bürgerengagement und Stiftungen in Deutschland Hochkonjunktur. Im Osten, so beklagen Publizisten, fehlen bürgerlicher Geist und Tradition. Weit gefehlt! Mit den Mättig-Stiftungen kann Bautzen auf eine lange Tradition verweisen, deren Intentionen und Wirkungen an Aktualität nichts verloren haben. Heute haben wir die Chance ergriffen, daran wieder anzuknüpfen!

2. Wir brauchen Erinnerung, Orientierung und Vorbilder
Gerade noch standen wir staunend vor den ersten Faxgeräten, erinnern wir uns noch an das erste Farbfernsehen oder den ersten Mensche auf dem Mond. Heute sind Computer in 2 Jahren überholt und wir kommen immer schneller von Ort zu Ort, egal auf welschem Teil dieser Erde. Alles scheint erreichbar, alles beschleunigt sich, fast nichts scheint mehr unmöglich…!
Gleichzeitig erleben wir jedoch wachsende Aggressivität unter Jugendlichen, eine größere Kluft zwischen denen, die teilhaben an gesellschaftlicher Entwicklung und jenen, die zurück bleiben. Da ist guter Rat teuer, was machen wir falsch?
  • Geistig moralische Werte, die unsere Zivilisation auszeichnen und gestärkt haben, drohen in Zeiten einer unbändigen Konsumgesellschaft abhanden zu kommen. Der schnelle Weg zum Geld wird zum Maß der Dinge.
  • Wir treiben und sind selbst Getriebene in unserer schnelllebigen Zeit!
  • Wie halten wir dies aus? Brauchen wir nicht mehr Erinnerung, Verortung und Identität um unserer Zeit gewachsen zu sein?
  • Irgendwo in und um uns brauchen wir Halt, den Anker für die Seele und wir brauchen Vorbilder, die uns aufrichten!
  • Historische Orte, das Wissen um die eigenen Wurzeln, Zeugnisse der Geschichte, aber auch den Glauben, dass sind solche Anker; Persönlichkeiten wie Gregorius Mättig sind solche Vorbilder!
  • Mein Sohn Robert beschäftigte sich vor einigen Wochen mit den Theorien französischer und deutscher Soziologen und Historiker zum Sinn von Erinnerungsorten – für uns Mitglieder der Familie Lissack ist Bautzen ein solcher Erinnerungsort!
  • Wir wissen darum, dass unsere Vorfahren seit dem 15. Jahrhundert, die Peuckers, Mättigs, Krauses, Gerings, Kaulys und Lissacks die Geschichte der Stadt mit bestimmt haben, Höhen und Tiefen durchlebten!
  • Wir haben aber auch erfahren, dass Bautzen uns wieder zusammen geführt hat! Welch eine Erfahrung!
  • Was Kriege und Ortswechsel aus einander gerissen haben, hat die Suche nach der Identität wieder zusammen geführt!
  • Bautzen hat mich um zwei Cousins reicher gemacht, die mir zu Brüdern geworden sind!
  • Und für die Bautzener und die Oberlausitzer sollte ihr altes vieltürmiges Budissin noch viel mehr zu bieten haben und sie unendlich viel reicher machen! Was ist diese Region doch gesegnet durch landschaftliche und kulturelle Werte!
  • Und ich bin sicher! Das Wirken Mättigs besitzt soviel Leuchtkraft, dass es jungen Menschen auch heute allemal Orientierung sein kann!
3. Unsere Identität schafft unendlich viel Kraft!
Bautzen und die Oberlausitz, die Menschen, die hier lebten und hier leben verbinden uns, die wir hier im St. Petri Dom zusammen sind! Das Vorbild Gregorius Mättigs etwas für das Gemeinwesen getan zu haben vereint uns! Lassen Sie uns heute diese Gemeinschaft hier an diesem christlichen Ort erfahren! Wir, die wir als Nachkommen der Familie Gregorius Mättigs der Meinung sind, dass seine großen und bedeutenden Stiftungen nach über 300 Jahren nicht nur noch für die Geschichtsbücher taugen, sondern für die Gegenwart und Zukunft soviel Sinngehalt und Aktualität besitzen, sind einen ersten wesentlichen Schritt gegangen, um dem Erbe Gregorius Mättigs wieder neues Leben einzuhauchen.

Die Sparkassenstiftung allen voran Frau Bohot und Frau Richter für den Landkreis Bautzen, die in einer einzigartigen Weise dieser Idee helfen, Realität zu werden. Frau Jutta Zoff, die heute noch einmal in ihrer geliebten Vaterstadt ihre Harfe erklingen lässt, wofür wir ihr überaus herzlich danken. Ein Dank der auch meine Freude für die schönen gemeinsamen Stunden in Vorbereitung auf den heutigen Tag einschließt.
Der Superintendent Herr Pappai, der Oberbürgermeister Herr Schramm, Frau Regine Gebhardt, Frau Ingeborg Eule und ganz besonders Christa und Christian Kämpfe, die mir seit Jahren liebe Ratgeber und Freunde sind.
Aber auch die fleißigen Helfer im Archiv und im Museum der Stadt seien hier dankbar erwähnt! Schließlich einen besonders herzlichen Dank an meine Familie für Unterstützung, Geduld und Toleranz, ohne sie wäre das alles nicht Realität geworden!
Aber damit aus dem ersten Schritt ein großer erfolgreicher Weg wird, bedarf es ihrer aller Mitwirkung!
Lassen sie uns die heute neu gegründete Stiftung in der Tradition Gregorius Mättigs zu einer wunderbaren gemeinsamen Aufgabe werden. Wir sind alle keine Millionäre und keiner von uns hat ein Vermögen, dass dem Gregorius Mättigs vergleichbar wäre, aber gemeinsam haben wir die Kraft über diese Stiftung im Geiste Mättigs viel Gutes zu tun.

Was soll dieses Gute sein, dass wir gemeinsam tun können?

In der heute gezeichneten Satzung steht:
  1. Zweck der Stiftung ist die Förderung von Kunst, Kultur und Bildung in der Stadt Bautzen und im Landkreis Bautzen.
  2. Diese Zwecke werden insbesondere verwirklicht durch Beiträge:
    • zur Bewahrung, Erschließung und Erforschung des kulturellen und historischen Erbes der Stadt Bautzen darunter des Lebens und Wirkens Dr. Gregorius Mättigs und der Geschichte seiner Stiftungen,
    • zur Pflege und Bereicherung des geistig-kulturellen Lebens der Stadt und des Landkreises Bautzen,
    • zur Bewusstseinsbildung für Kulturpflege und Denkmalschutz.
    • zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung der Stadt und des Landkreises Bautzen,
    • zur Vermittlung und Pflege der im christlichen Humanismus wurzelnden bürgerschaftlichen Traditionen der Stadt Bautzen, christlicher Werte und Toleranz,
    • des kulturellen Dialogs mit den tschechischen und polnischen Nachbarregionen der Oberlausitz im europäischen Kontext.
Der Stiftungszweck wird insbesondere verwirklicht durch die Vergabe eines „Dr.-Gregorius-Mättig-Stipendiums“ für Nachwuchsleistungen von Jugendlichen zur Bewahrung, Erschließung und Erforschung des kulturellen Erbes in Bautzen.
Ehrgeizige Aufgabenstellungen, die nicht nur durch eine engagierte Arbeit des zukünftigen Stiftungsrates erfüllt werden können. Ein Förderverein für die Stiftung soll baldmöglichst aus der Taufe gehoben werden, um tatkräftig die Stiftungsarbeit zu unterstützen. Vielleicht fühlt sich der ein oder andere heute angesprochen und möchte dort gerne mitwirken.

Am Anfang stand die Frage, was hat uns bewogen hier zusammen zu kommen. Ich glaube, die Frage ist klar beantwortet. Kraft aus Gregorius Mättigs Vorbild, seiner Nächstenliebe und seinem Bürgersinn zu ziehen
  • um für Bautzen und die Region eine große bürgerschaftliche Aufgabe zu starten.
  • zur Bewahrung des Bautzener kulturellen Erbes und zur Förderung der Bildung und Entwicklung ihrer Jugend, als große Potenziale für die Zukunft der Region.
Lassen Sie uns durch die Kollekte zur Restaurierung des Porträts von 1636 quasi das Bild Gregorius Mättigs wieder erstehen frei nach dem Goethe Wort unser Erbe neu erwerben, um es zu besitzen.

Zum Abschluss lassen sie mich noch einmal die Bautzener Presse von 1785 zitieren:
„Ich bewundere Mättigen und verehre mit dankbarer Hochachtung das Herz, das ihm diese preiswürdige Stiftung eingab. Ich freue mich aber auch ganz besonders, in einer Stadt zu leben, in welcher Leute aus allen Ständen so bereitwillig sind, junge Studierende … zu unterstützen, und wünsche herzlich, dass die Neigung zu dieser Art von Wohltätigkeit nie geschwächt werden möge.“

Mättig verdient … „auch, dass man zu seinem Gedächtnisse etwas besonders thut.“

Wir alle sind dabei! Gebe uns Gott Kraft Gregorius Mättigs Werk fortzuführen.

Ich danke Ihnen!